Textur

Textur von Texten entspricht auch den verschiedenen Texturen normaler Interaktion: mal rauh oder weich, mal lang oder kurz mal bleibend oder flüchtig. Immer zweidimensional. Bei Gedichten ist das schon wieder anders: da kommt eine weitere Dimension die der Situations-Ungebundenheit hinein, die wohl überlegt, bestimmt sein muss. Gedichte als Texte sind nicht zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt, haben auch von Natur aus kein Haltbarkeitsdatum sondern fließen im Raum- Zeit- Kontinuum und werden wieder und wieder zum Leben erweckt. Jedesmal wenn ich so eine Zeile von Shakespeare höre oder sage oder mich sagen höre, ist die Situation natürlich anders- jedesmal wenn mir eine Zeile in den Sinn kommt, macht sie Sinn, anders als vorher. Flüchtigkeit der Interaktionen führt zum Abstumpfen: wer nicht wollte auch mal was Bedeutendes sagen? Ach ich weiß nicht, manchmal ist mir das Unbedeutende schon zuviel. Manchmal sehne ich mich nach Situationen mit ausschließlich flüchtigen Texturen : wie Parfums die sich verflüchtigen. Ein Strauß mit Maiglöckchen steht auf dem Küchentisch. Was der alles schon mit meinen Erinnerungen gemacht hat, wie ich daran rieche um alte Düfte wieder hervorzuzaubern. Parfum aus Maiglöckchen erfordert bestimmte Umgebungstemperaturen um meine Erinnerungen wieder hervorzuzaubern.- Es ist jetzt zu kühl.